Wildwasser ist...
...Anfang der 80er Jahre aus der Frauen-Lesben-Bewegung entstanden. Zunächst als Selbsthilfebewegung haben sich bundesweit Initiativen und Vereine gegründet, die seither das Tabuthema sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen öffentlich machen und Frauen und Mädchen dazu beraten. Wildwasser Marburg e.V. gibt es seit 1985.
Der Begriff Wildwasser bedeutet für uns sich den eigenen Weg bahnen, in Aufruhr sein, stark und weich zugleich sein, Wildwasser bedeutet für uns Veränderung und Befreiung.
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Sexueller Missbrauch ist ...
Gewalt ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund körperlicher, psychischer, kognitiver
oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Den Täter(inne)n geht es primär darum, die eigenen Machtbedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen.
Zu sexueller Gewalt gegen Kinder gehören anzügliche Blicke, sexualisierte Bemerkungen und Berührungen, das Herstellen und Zeigen von Pornographie sowie Vergewaltigung. Die Opfer
sind überwiegend Mädchen, jedoch werden auch Jungen sexuell missbraucht. Oftmals sind schon sehr kleine Kinder betroffen.
Die TäterInnen kommen häufig aus dem sozialen Nahbereich des Kindes, auch aus der eigenen Familie. Sie sind in der Regel keine pathologischen Einzelfälle, sondern sozial unauffällige, nahe Vertrauenspersonen des Kindes. Sie kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Viele TäterInnen üben bereits im Jugendalter sexuelle Gewalt aus.
Sexuelle Gewalt ist eine geplante, vorbereitete und bewusste Tat, die sich oft über Jahre wiederholt. Wesentlicher Teil der Täterstrategie ist meist, dass der Täter (die Täterin) zuerst ein enges Vertrauensverhältnis zu dem Kind aufbaut, um es dann sexuell auszubeuten. Das Kind wird isoliert und zur Geheimhaltung gezwungen.
Extreme Ausmaße jeder Form von Gewalt üben organisierte Täterkreise aus. Über sexuelle, physische, psychische und rituelle Misshandlungen beuten sie Opfer kommerziell aus.
Sexueller Missbrauch ist ein Bestandteil der alltäglichen Gewalt gegen Mädchen und Jungen. Ursachen liegen in patriarchalen Gesellschaftsstrukturen: Die ungleiche Verteilung materieller und ideeller Ressourcen, von Macht und Entscheidungsmöglichkeiten zwischen den Geschlechtern sowie die übergroße Abhängigkeit der Kinder von Erwachsenen und Familie fördern Ausbeutung und Gewaltausübung.
Unsere Arbeit
Wir leisten unmittelbare Beratungsarbeit, Präventionsarbeit sowie Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, in der wir gesellschaftliche Zusammenhänge verdeutlichen. Wir verstehen unsere Arbeit als einen Beitrag zur Aufhebung struktureller Gewaltverhältnisse.
Wir unternehmen nichts, ohne es mit den Ratsuchenden abzusprechen. Die Beratungsgespräche werden telefonisch vereinbart. Sie dauern eine Stunde und können einmalig oder mehrfach
wahrgenommen werden. Beratungsgespräche sind vertraulich und kostenfrei.
Beratung und Unterstützung
Beratung für Mädchen und Frauen, die sexuellen Missbrauch erleben oder erlebt haben
Im Zentrum der Beratung steht die ressourcenorientierte Unterstützung der Mädchen und Frauen im alltäglichen Umgang mit den Auswirkungen der Gewalt und mit spezifischen Problemlagen im sozialen Umfeld. Ziel ist die Erweiterung der Handlungsfähigkeit und Eigenkompetenz, die Stärkung der Persönlichkeit und die Förderung der Autonomie.
Bei aktuell stattfindender Gewalt geht es um die Organisation und Herstellung des sicheren und lang anhaltenden Schutzes der Betroffenen. Bei Bedarf begleiten wir zu RechtsanwältInnen,
ÄrztInnen, dem Jugendamt, der Polizei und zu Gerichtsverfahren.
Wir bieten Informationen und Unterstützung bei der Suche nach TherapeutInnen an.
Beratung von Unterstützerinnen und Unterstützern (Partnerinnen und Partner sowie andere unterstützende Personen) betroffener Frauen
Unterstützende Personen, Partnerinnen und Partner von Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen in der Kindheit sind in ihrer Situation oft überfordert. Wie können sie angemessen
unterstützen? Wo bleiben sie selbst mit ihren Ängsten und Bedürfnissen?
In der Beratung wird UnterstützerInnen ein eigenständiger Raum gegeben, sich ihren Unsicherheiten, Grenzen und Ressourcen zu widmen.
Beratung für Bezugspersonen von Mädchen und Jungen zur Vermutungsklärung und Intervention (Familienangehörige, Personen des sozialen Umfeldes, Fachkräfte)
Ein Grundsatz in der Beratung besteht darin, eine Vermutungsklärung von sexueller Gewalt ergebnisoffen zu behandeln. Eine Vermutung kann sich sowohl als begründet als auch als unbegründet erweisen.
Auffälligkeiten und Signale des Kindes werden im Gesamtkontext der kindlichen Lebenssituation betrachtet und auf verschiedene Ursachen hin überprüft und bewertet. Sollte sich in diesem Klärungsprozess eine Vermutung als begründet erweisen, so werden gemeinsam mit den Bezugspersonen individuelle und situationsangemessene Handlungsstrategien entworfen. Dabei steht eine planvolle Organisation des Schutzes der betroffenen Kinder und die Stärkung und Unterstützung der Bezugspersonen in der Umsetzung im Vordergrund.
Selbsthilfegruppen und Alltagsstabilisierung
Wir bieten Selbsthilfegruppen für Frauen an, die sexualisierte Gewalt in der Kindheit erlebt haben.
Prävention und Öffentlichkeitsarbeit
Prävention beginnt bei Erwachsenen: Sie sind in der Verantwortung, für den Schutz von Kindern Sorge zu tragen.
Als Voraussetzung dafür brauchen professionelle wie private Bezugspersonen Grundlagenwissen und Handlungsleitlinien im Verdachtsfall und Anregungen für einen präventiven Erziehungsstil. Sinnvolle Prävention zielt darauf ab, das Selbstbewusstsein von Mädchen und Jungen zu stärken, ihre Bewegungsfreiheit zu erhöhen und ihnen angemessene
Informationen und Handlungsstrategien bei sexueller Gewalt zu vermitteln.
Elternabende
Sie dienen der sachlichen Informationsvermittlung zum Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder und bieten die Gelegenheit, konkrete Präventionsmöglichkeiten für den eigenen Alltag kennen zu lernen.
Fortbildungen
Wir bieten ein umfangreiches Fortbildungsangebot für soziale und pädagogische Fachkräfte und andere Interessierte an. Neben Vermittlung von Grundlagen geht es in den Fortbildungen auch um spezielle Fragen aus den Bereichen Prävention, Verdachtsklärung im beruflichen Alltag und Unterstützung von betroffenen Frauen.
Präventionsworkshops für Mädchen und Jungen
In Kombination mit Elternabenden und Fortbildungen veranstalten wir in Kindergärten und Schulen Präventionsworkshops, in denen Mädchen und Jungen mithilfe altersangemessener
Methoden lernen, ihr Spektrum an Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und sich Hilfe zu holen.
Informationsarbeit
Wir bieten Informationsgespräche und -veranstaltungen zu unserer Arbeit, unseren Angeboten und zu Fragen über sexuellen Missbrauch.
Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle
Catarina Jörg, Jg. 1968
Dipl. Pädagogin, feministische Selbstbehauptungstrainerin, klienten-/ traumazentrierte Beratung und Supervision (GfK),
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (i.A.)
Erfahrene Fachkraft gemäß § 8a SGB VIII (IEF), Leitung der Fachberatungsstelle
Silke Mahr, Jg. 1973
Dipl.-Pädagogin, klientenzentrierte Beraterin (GwG)
Erfahrene Fachkraft gemäß § 8a SGB VIII (IEF)
Johanna Sachschal, Jg. 1984
cand. Dipl. Psychologin
Wildwasser Marburg e.V.
Wildwasser Marburg e.V. ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein und anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Wir werden von der Stadt Marburg, dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und dem Land Hessen gefördert.
Durch eine Spende können Sie dazu beitragen, dass unsere Arbeit fortgesetzt und gesichert werden kann. Jede Spende ist steuerlich absetzbar.
Bankverbindung:
Wildwasser Marburg e.V.
Sparkasse Marburg-Biedenkopf
BLZ 533 500 00
Konto 10 000 316 20
Wenn Sie Interesse haben, dem Verein Wildwasser Marburg e.V. beizutreten oder eine Fördermitgliedschaft zu übernehmen, treten Sie bitte mit uns in Kontakt.
Bitte beachten Sie: Die Räume bei Wildwasser sind leider nicht barrierefrei. Es gibt von der Haustür bis zu den Beratungsräumen einige Stufen zu überwinden - dabei sind wir aber selbstverständlich gerne behilflich. BesucherInnen mit Sehbehinderung und blinde BesucherInnen holen wir bei Bedarf an der nächst gelegenen Bushaltestelle ab.
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